Masken und komische Vögel

Gestern, oder heute morgen, habe ich einen langen Eintrag verfasst. Wahrscheinlich wird der wieder deaktiviert, aber ich MUSSTE es einfach mal loswerden. nach zweimal löschen und neu schreiben merke ich, dass es mich nunmal beschäftigt.

Eigentlich wollte ich über anderes schreiben, über deja-vus.  Mir ist gestern eine Dame begegnet, völlig alterslos (meine Schätzung liegt zwischen 30 und 60, also wirklich nicht einzuordnen). Ich glaube, ich kenne sie, aber ich frage Leute nicht danach, und sie hat auch nicht so gewirkt als würde sie mich kennen oder erwarten dass ich etwas sage. Diese Dame fiel mir eigentlich durch ihren Mantel auf - aus bunten Flickenkaros zusammengesetzt, mit einem kinderfaustgroßem Symbol auf jedem von ihnen, ungefähr knielang, die ebensobunte Kapuze bestimmt selber fast nen Meter lang, in einem schmalen Zipfel endend. 

Wir steigen in den selben, so gut wie leeren Zug ein. Sie sieht mich grinsend an, ich lächle unsicher zurück, und schon parkt sie sich in meinem Abteil (also den 4er Platz - der Zug war fast leer - wenn ich einen Zug erwische, versuche ich immer einen leeren Platz zu finden... dafür setze ich mich auch schonmal neben ausgekippte Pommes vom Vorfahrgast, um sicher zu gehen es bleibt so), lacht und erzählt mir ne wilde Story vom umsteigen und netten Leuten und dass sie sooo müde ist dass sie einschlafen könnte. Da sie da nun schonmal sitzt, biete ich an "Ich steige erst an der Endstation aus. Wenn Sie wollen, dann sage ich Ihnen rechtzeitig Bescheid und stupse Sie, damit Sie aufwachen..." Klingt dämlich, fiel mir aber erst auf als ich es schon gesagt hatte.

Fand sie unheimlich nett und toll und erzählte wieder einen, aber ich habe nicht viel zur Unterhaltung beigesteuert weil es mir eigentlich etwas unangenehm war. Nicht, weil sie Unsinn erzählen würde oder es keinen was angeht, sondern weil ich es einfach nicht gewöhnt bin, dass jemand so etwas tut. Ohne Fahne. Irgendwann schnappt sie sich eine Zeitung und liest und ich schreibe. Als sie aussteigt, wünscht sie mir noch einen "wunder, wunderschönen Abend und bis bald". Und winkt wie eine verrückte am Fenster, als sie schon längst ausgestiegen ist und der Zug losfährt. "ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHMMMMMMMMMMMM ja". Das war mein Gedanke dazu. Und der nächste, warum habe ich das selbe, den gleichen Ablauf, die gleichen Sätze, alles schon im Kopf gehabt? Es ist ja nicht so, dass ich mich oft mit Leuten von Angesicht zu Angesicht unterhalte. Außerhalb der Arbeit so gut wie nur im Urlaub. Oder wenn ich nach einem Weg frage oder Auskuft gebe.

Aber diese Frau hat mich verwirrt mit ihrer alterslosen, nüchternen, aufgekratzten Art. Sie ist nicht so wie die andere merkwürdige Dame, die ich in Zug UND Bus hatte, die mir vom umziehen und Arbeit und weiß was sonst noch erzählt hat, weil ich zwei Minuten am selben Bahnsteig auf den Zug gewartet habe. Wir sind öfter zusammen gefahren und das hat sie oft getan. wenn jemand anderes da saß genauso. Unddas Gegenüber ausgefragt. Neugierig und extrovertiert in einem.

Nagut, denke ich. Ich bin für andere vielleicht auch merkwürdig, warum sollten andere es nicht sein? Ich bin nur froh dass ich seit dem Umzug nicht mehr mit meiner Bustante kollidiere -  sie war der grund warum ich mir nichts um die Ecke der alten Wohnung gesucht habe. Aber jeden Tag jemanden neben sich zu haben, der die selben Fragen stellt, versucht einen zu Weißglut zu bringen und anschließend fragt ob ich über die Straße helfe, war schon schwer. Zumal dann, wenn sie unsicher war, immer ein völlig irres Kichern kam und sie mir Stories erzählte (um mich zu ärgern, nehme ich an), dass ich am liebsten gesagt hätte, "komm, gleich am Bahnhof ist die Polizei, ich geb dich mal da ab..."

16.9.11 07:48

Letzte Einträge: un, deux, tres, quattre, cinq et six, Beef Jerky Grundrezept, Pulled-Pork-Auflauf, Gedankenglas Juli 2017, September 2017

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