Masken

Heute wieder nicht viel geschafft, die Wettbewerbe, zu denen ich noch schreiben wollte, sind vorbei, vielleicht kommt da aber nochwas von mir, denn die Themen fand ich eigentlich interessant: "Notlüge" und "meine Masken und ich".

Wer kann schon behaupten, nicht mindestens eine Maske in Petto zu haben, hinter der man sich versteckt? Ist eine davon nicht die Notlüge? Wenn man nichts nettes zu sagen und und schweigt, obwohl man etwas sagen sollte - ist das dann schon gelogen? In meinem Leben kann ich mich eigentlich nur an eine Schwindelei erinnern, aber die taucht öfter auf: der kleine Satz "Ich weiß es nicht." Sicher, es gibt auch viele Dinge, die ich nicht weiß. Aber meistens bedeuten diese Worte, ich kann nichts sagen. Nicht, ohne ein Versprechen zu brechen. Oder jemanden zu verletzen. Mit Masken ist es fast genauso - man setzt sie auf um zu schützen. sich selbst, andere, sein Weltbild. Ich habe keine Ahnung, was andere in mir sehen, kommt wahrscheinlich darauf an, wann sie mit mir zusammen getroffen sind, wie nah sie mir stehen oder ob wir eine gemeinsame Vergangenheit haben. Oft weiß ich nicht wer ich bin. So. Jetzt hatte ich richtig viel dazu geschrieben und wieder gelöscht. Genau deshalb wollte ich und wollte doch nicht daran schreiben - der zweite Teil musste biografisch sein.

Dazu fällt mir was ein, aber der Welt mitteilen? Es hieß immer, "erzähl doch nicht soviel von dir... und uns... das will keiner." Möglich. Aber ich möchte wissen, wer ich bin. Irgendwo muss ich dann doch anfangen oder? Ich erinnere mich kaum an meine Kindheit. An meine Schwester und Spiele, ja. An die 1. Klasse, dass ich dort noch einen Freund hatte. Bis heute erkenne ich ihn auf dem Klassenfoto von damals sofort und weiß seinen namen, Frage mich was aus ihm geworden ist. Aber da unsere Schulen plötzlich 500 Meter auseinander lagen, habe ich ihn nie wieder gesehen. Warum auch immer eine so kurze Entfernung das Ende war. Schulwechsel.

Ich war der Außenseiter. Vor zwei Wochen (nach fast 20 Jahren) habe ich erfahren, dass die anderen mich halt "langweilig" fanden. Schöne Umschreibung einer Klassenlehrerin, die wohl meinte, wir können uns nicht unterhalten. Oder das verstand. Ich erinnere mich nicht dass jemand sich ernsthaft mit mir unterhalten wollte. Ich erinnere mich an Gemeinheiten, Streiche, Angst. Selbsthass. Jedes einzelne meiner Tagebücher fängt damit an, dass ich die Meinung meiner Mitschüler auf meine eigene übertrug: ich war weniger als nichts. Die, die das anders sahen, waren in der Klasse meiner kleinen Schwester. Dort hielt ich mich in den Pausen, glaube ich, dann auch auf. Bei Ihr.

Ein Außenseiter zu sein, mit dem niemand redet, der unsichtbar ist, den man nicht wahrnimmt - ein Paradies in meinen Augen. Ich fühlte mich wie der Fußabtreter. Wenn man in der klasse wer sein wollrte, gab es einen einfachen Weg - mich fertig machen. Jeder, der neu in die Klasse kam, hatte damit bei den anderen einen Stein im Brett. Ich wollte nichts als den Unterricht hinter mich bringen und die Pause überstehen ohne Tränen in den Augen. Die Pausen - ich erinnere mich, dass ich vorm Klassenraum gestanden habe und gewartet dass endlich, endlich wieder aufgeschlossen wird. Dass ich mich mitten unter die setzen kann, die dafür sorgen, dass ich mein Zimmer nicht mehr verlassen will. Mir lieber die Beine abhacken würde als einen weiteren Tag in die Schule zu gehen. Ich weinte mich in den Schlaf, weil ich ja doch wieder hin musste. Vielleicht ging es anderen genauso - unsere Lehrer sagten oft, wir seien die schlimmste Klasse, und auch die haben einiges abbekommen. Bis zur 8. Klasse hatte ich 6 Klassenlehrer - ich glaube nicht viel weniger habe ich direkt die Klasse gewechselt.

In der 9. durfte ich die Stadt wechseln. Ein Neuanfang. Eine Stadt, in der niemand mich kannte, keiner wusste, dass ich der Außenseiter war. Und man sich sogar noch freute eine neue Mitschülerin zu haben. Ich fing an, Freunde zu finden, zu sprechen außerhalb Unterrichts und Familie, nicht mehr die Stille sein zu wollen. Schließlich hatte man mir gezeigt, wozu das führt. Wenn ich mit meiner Freundin auf einem Baum saß, keine anderthalb Meter über der Erde, und las, fühlte ich mich einfach nur frei. Als hätte ich in meinem Leben alles geschafft. Als wüsste ich, wo mein Weg lang geht. 5 Jahre später auf dem klassentreffen erfuhr ich, die Schüler hatten den "Befehl" nett zu mir zu sein.

Alles brach wieder ein. Mir war, als hätte ich festgestellt dass mein Panzer nur ein Kartenhaus ist. Ein Freund sagte mir, alles war echt in dieser Zeit, an sowas hätte sich niemand gehalten. Wirklich? Ich hoffe es so. Aber es wirft die frage auf, wer ich für euch bin...

Ausbildung. Mobbing. Ende. heraus kam ein Wrack, dass Bäume pflanzte, die eingingen, sich wieder zurückzog. Nächster Versuch -

Jahrgangsbeste, die Stille, aber wenigstens angenommen. "sie sagt nicht viel aber was sie sagt, sitzt." Das war die Meinung meiner Mitschüler. Ich lernte jemanden kennen, den ich nie getroffen habe, der trotzdem in meine Seele schauen konnte. Und mich genauso zu mögen schien, wie ich nunmal war. Unsere Gedanken ergänzten sich. Unsere Träume waren ein Traum. Neben meiner Familie wurde mein Sternenfänger zum wichtigsten Teil meines Lebens. Auch wenn es nicht funktionierte, wie es sollte - für mich bist du immer noch mein Bruder - du hast mich aus so vielen schwarzen Löchern geholt. Du hast akzeptiert, wie ich bin, was ich tu, und mich unterstützt selbst wenn es dir weh getan haben muss. Dafür kannst du dir sicher sein, ich halte das versprechen dir gegenüber bis heute. Werde ich immer tun, auch wenn es mal bergab geht - im letzten Moment fängt dieser Gedanke mich auf. Was war ich für dich? Du hast mich Engel genannt, aber das kann ich unmöglich gewesen sein...

Ein Freund, wegziehen, neue Anfänge. Ich hab gedacht, ich werde verstanden, aber irgendwo muss ein Punkt gewesen sein, wo es nicht mehr ging. Lange bevor es aus war. Dass wir uns mochten, aber nicht verstanden. Ich habe dich in meine Seele schauen lassen, aber ob du es getan hast, weiß ich nicht, nicht mehr. Ich denke, es wäre anders verlaufen, hätten wir uns erkannt. Und so akzeptiert. Das Gefühl des verletztwerdens kam zu spät, als dass ich wohl je den Ursprung erkennen werde.

Eigene Wohnung, die Maske der Selbstständigkeit kommt dazu. Draußen würde niemand sagen, ich komme nicht damit klar. Wie auch? Man sieht mich 10 Minten am Tag - wenn ich morgens auf den Bus warte und aends die Tür aufschließe. Aber hier drinnen war auch noch fast niemand. Es würde draußen vielleicht nicht mal auffallen, wenn ich nicht mehr jeden Tag die Tür aufschließe. Ich bin unsichtbar, kenne niemanden, möchte irgendwie auch gar nicht. Niemanden kennen heißt, nicht verletzt werden zu können.

Und dann taucht Nouka auf. Und sagt mir, ich bin verrückt, aber ein bisschen verrückt ist gut. Kommt das bekannt vor? Eben. Jemand der mich erkennt. Der mir die Meinung sagt, wie sie ist. der mir meine Maske, meinen Schutz, lässt, aber hindurchsieht, als wäre sie gar nicht da. Und dem es egal zu sein scheint was er dahinter entdeckt, so bin ich eben und das ist okay. Du kannst es dir vorstellen, wie ich mich fühle. Ich bin ein ganzes. So wie ich bin, bin ich ich. Und es ist okay. Ich habe viele Masken getragen, aber nur eine davon war perfekt - die, dass ich ein glückliches Kind war. Das denken andere, die es besser wissen müssten. Möglicherweise war ich das auch. Wenn ich nicht gerade in der Schule war und nicht geheult habe.

16.9.11 00:52

Letzte Einträge: un, deux, tres, quattre, cinq et six, Beef Jerky Grundrezept, Pulled-Pork-Auflauf, Gedankenglas Juli 2017, September 2017

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(16.9.11 08:03)
*stups* Du trägst eine Maske? Ist mir nie aufgefallen ^^


(16.9.11 08:29)
Sage ich ja. Sowas passiert, wenn man andere so sieht wie sie nun einmal sind, und sie wissen, sie dürfen sein, wer sie sind. Ich bin sehr froh dich zu haben

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